Das Herz der Region – die Römerstadt Carnuntum

Die Region Carnuntum hat sich in den letzten Jahren besonders als Weinregion einen Namen gemacht. Unter den vielen Attraktionen, die dieser fazinierende Landstrich zwischen Wien und Bratislava bietet, gehört die archäologische Anlage von Petronell sicher zu den wichtigsten und spannendsten Zielen. Deshalb möchten wir uns heute in diesem Artikel ein wenig intensiver damit beschäftigen. Wir beginnen zunächst mit einem kleinen Streifzug durch die Geschichte und werden anschießend die Römerstadt bei Petronell ein wenig durchwandeln.

Geschichte

Die Geschichte der antiken Stadt Carnuntum beginnt im 6. Jahr nach Christus.  Ursprünglich wurde Carnuntum als festes Winterlager gegründet. Doch schon bald entwickelte sich Carnuntum – wegen seiner Lage als Schnittpunkt zwischen Bernstein-  und Limesstraße – zur florierenden Metropole. Besondere Bedeutung erlangte die Stadt in der Zeit zwischen 171 und 173 nach Christus. Marc Aurel, der Philosophenkaiser, machte Carnuntum zur Kaiserresidenz und verfaßte einige Bücher seiner „Selbstbetrachtungen“ hier.

Im Jahr 193 wurde Septimius Severus zum Kaiser ernannt. Ein glanzvoller Höhepunkt war die Kaiserkonferenz im Jahr 306, wo sich mit Diokletian, Galerius und Maximian gleich drei Kaiser versammelten. Diese Konferenz war mit heutigen G-7-Treffen vergleichbar. Wir haben es hier also mit einem wahrhaft historischen Boden zu tun. Carnuntum war zweifellos die erste Donaumetropole und vieles was damals begann, wirkt über die Jahrhunderte bis in die heutige Zeit nach.

Auch die Ausmaße der Stadt waren – für damalige Zeiten – gigantisch: Sie erfasste eine Größe von zirka 10 Quadratkilometern und erstreckte sich über die heutigen Gemeinden Petronell und Bad Deutsch Altenburg.

Ab dem Jahr 400 begann der Abzug der Römer und Carnuntum verlor nach und nach an Bedeutung. Mit dem Weggehen der Römer verschwand auch das Wissen um die Infrastruktur und so verfiel die Stadt langsam. Sie wurde auch bewusst abgetragen. Viele Steine der ursprünglich römischen Häuser befinden sich heute in den Stadtmauern der Städte Bruck an der Leitha und Hainburg sowie in verschiedensten Bauwerken, zu denen zum Beispiel das Schloss Harrach in Rohrau oder Schloss Prugg in Bruck gehört.

Besuch

Die Erkundung von Carnuntum startet man am besten auf dem Areal des archäologischen Parks in Petronell, wo es einen großen Parkplatz und ein Besucherzentrum gibt. Es empfiehlt sich, eine zirka zweistündige Führung mit zu machen, denn in Carnuntum gibt es viel zu sehen und ohne fachkundige Vermittlung ist das Verständnis sehr schwierig. Die Geschichte ist so spannend, dass es sich wirklich lohnt mitzumachen!

Nachdem man das Besucherzentrum verlassen hat, wird man zunächst einmal zu einem Modell geführt, wo man sich über die Ausmaße der antiken Stadt ein genaues Bild machen kann. Anschließend geht es weiter ins römische Stadtviertel aus dem 3. Jahrhundert, was sicher den Höhepunkt des Besuchs darstellt: Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde auf den originalen Fundamenten ein Bürgerhaus, eine römische Villa sowie eine voll funktionstüchtige römische Therme gebaut. Das alles erfolgte in original antiker Bauweise!

Es wurde alles so gebaut und eingerichtet, dass beim Besucher den Eindruck entsteht, die Gebäude seien tatsächlich bewohnt und benutzt. Und das macht die Besichtigung und den Besuch so spannend! Die Häuser sind eingericht und die Öfen können beheizt und bekocht werden. Das Wasser im Becken des Caldariums der Therme ist wirklich warm, während es im Frigidarium kalt ist. Es ist bezaubernd und verzaubernd zugleich!

Die südländische Atmosphäre der Anlage ist romantisch und weitere Gebäude sind im Entstehen, womit die römische Zeit noch intensiver erlebbar und verstanden wird.

Amphitheater und Heidentor

Vom Parkplatz führt ein kurzer Fußweg zum Amphitheater bei Petronell. Zu römischen Zeiten lag es außerhalb der Stadtmauern und die Area war beiderseits mit zirka 25 Meter breiten Tribünen verbunden. Wer möchte, kann die mächtige Arena gerne erkunden.

Keinesfalls verpassen sollte man jedoch den Besuch des Heidentors. Dieses Gebäude hat die Zeiten besser überstanden als andere Teile von Carnuntum. Es ist nicht nur ein Symbol des römischen Österreich, sondern auch das Wahrzeichen von der gesamten Region und somit identitätsstiftend. Auch wenn das Heidentor über die Jahrhunderte stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist es noch immer ein imposantes Monument und zeugt von Macht und Bedeutung.

 

Festivals und römische Gaumenfreuden

Das ganze Jahr über finden in Carnuntum Festivals statt, die verschiedenste Facetten zum Thema haben: Mal sind es römische Gaumenfreuden, Gladiatorenspiele, ein Römerfest und vieles mehr. Gerade diese Veranstaltungen machen die römische Geschichte noch stärker begreifbar und verständlich. Informationen dazu erteilt man gerne vor Ort.

Fazit: Ein Aufenthalt in der Region ist ohne den Besuch der Römerstadt Carnuntum nicht komplett! Wie sagte einst Karl Farkas: Schauen Sie sich das an!

Infos Carnuntum:
Die Römerstadt liegt zwischen Petronell und Bad Deutsch Altenburg an der Pressburger Straße B 9. Die Fahrzeit mit dem Auto von Göttlesbrunn beträgt etwa 20 Minuten und führt über Höflein und Scharndorf. Besonders Sportliche können auch gerne mit dem Fahrrad hinfahren. Dazu fährt man zunächst nach Höflein, dann weiter Richtung Limeshalle. Dort links abbiegen und geradeaus auf der alten Römerstraße bis zum Heidentor fahren.

Adresse:
Hauptstraße 1 A
2404 Petronell-Carnuntum
Tel. +43 (0) 2163/3377-0
www.carnuntum.at

Text: Manfred Edelmann
Fotos: Atelier Olschinsky/Archäolog. Kulturpark NÖ Betriebs GmbH

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